Der Quark & ich

Quark.

Weiß, rein, weich.

Kühle und cremige Textur. Und doch kalorienärmer als mancher Joghurt. 62 kcal / 100 g.  Wenn es um die Magerstufe geht, natürlich. Aber dass ich nur von dieser spreche, versteht sich quasi von selbst.

Bis vor kurzem zählte er nicht zu meinen bevorzugten Lebensmitteln. Das lag zum einen an meiner Laktoseintoleranz, zum anderen daran, dass ich auch eigentlich keine Milchproteine vertage. Also laktosefreier Quark und ein Auge zudrücken.

Für diese Vielseitigkeit und gleichzeitige Geschmackserleben- es schmeckt wie eine schwere Speise, aber ist dennoch leicht, s.o., nehme ich gerne ein paar Verdauungsprobleme in Kauf. Die sich bisher ohnehin sehr zurückgehalten haben.

Da wäre zum einen Quark mit Honig, Zimt, und Rosinen. Flüssigsüßstoff werde ich jetzt nicht wieder extra aufführen. Dann Quark mit Apfelmus, Zimt und Rosinen. Mit Erdbeermarmelade. Mit Kirschmarmelade. Mit Banane. Mit Vanillepulver. Mit Erdbeerpulver. Mit…was auch immer. Und man kann die Mengen hervorragend abwiegen. Kalkulieren, reduzieren, aufsummieren. Rosinen abzählen.

Dann hat man eine kleine Schüssel voll mit rosa-weißlicher Mischung vor sich stehen.

Und dann beginnt das l a n g s a m e, genussvolle Essen derselbigen. Mit einem kleinen Löffel tauche ich in den Quark. Ziehe in wieder raus. Nehme ein bisschen an der Spitze auf. Das was am Löffel hängen bleibt wird vorsichtig abgeschleckt. Die Fusion von süßer Erdbeere und dem cremigen Geschmack führt auf meiner Zunge zu einem Erlebnis, das ich möglichst lange auskosten möchte.

Und hier merkt man schon an der Wortwahl. Es ist etwas Intimes. Fast obszönes. „Der Quark und ich- eine Welt für sich“. Die Vorstellung, beim Quark-Essen beobachtet zu werden triebt mir die Schamesröte ins Gesicht. Ich esse ihn nur zuhause. Unbeobachtet in meinen vier wänden. Gut, es gibt ohnehin keinen ort in dieser Stadt, an dem laktosefreier Quark serviert werden würde und selbst wenn es den gäbe- würde ich ihm trauen? Würde ich darauf zählen, dass die Hersteller ihn nicht mit Gebirgen an kristallinem Zucker „aufgewertet“ haben? Sahne oder Mascapone untergemischt haben?

Nein. Bestimmt nicht. Und so laufe ich auch nirgends Gefahr, bei solch einer intimen Begegnung Zuschauer zu haben. Schamgefühle, weil jemand sehen könnte, wie sehr mir das schmeckt. Schuldgefühle bisweilen,  je nachdem ob ich alles gut eingeplant habe, diese Quarkspeise.

Nicht zuletzt hat Quark die angenehme Eigenschaft, statt ohne unangenehm voll zu machen.

Und deswegen werde ich mir jetzt 100 g davon genehmigen. Zusammen mit 25 g Erdbeermarmelade ergibt das genau 100 kcal.

Eine überschaubare Zahl.

Eine Antwort to “Der Quark & ich”

  1. zoelayne 17. Mai 2010 um 10:12 PM #

    Ich kenne das! Mit Essen verbindet man eine gewisse Erotik, es ist ein sinnliches Erlebnis, weil immer auch Gier und Leidenschaft dabei ist.
    Was für ein Widerspruch! Hass und Liebe treffen aufeinander. Kaum auszuhalten, das ist der Grund, weswegen ich unheimlich viel Überwindung brauche, in Gegenwart anderer zu essen. Sie würden merken, dass auch ich menschliche Bedürfnisse habe. Ihnen zu erliegen, bedeutet Schwäche, weil die Natur wieder mal gesiegt hat…

    Mir gefällt dein Blog! Du schreibst so unverblümt ehrlich, gehst mit dir selber hart ins Gericht.

    Liebe Grüße
    Zoe

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