Klinik & Verträge

1 Feb

Laut meiner Thera „nehme ich meinen aktuellen Zustand nicht ernst.“ Damit hat sie nicht ganz unrecht. In meinem Freundeskreis (der ohnehin ziemlich viel Geduld mit mir zu haben scheint- in letzter Zeit sage ich immer häufiger Verbredungen im letzten Moment ab) häufen sich die indirekten und direkten Annmerkungen, ich solle mir doch mal überlegen, nicht doch in eine Klinik zu gehen. Es gäbe da eine Freundinn die war dort und dort (Roseneck, Korso), und vielleicht könnte ich mich doch mal mit ihr unterhalten… Nach meiner letzten Erfahrung ist aber allein der Gedanke an eine Klinik ein rotes Tuch für mich. Natürlich gibt es bessere und schlechtere KLiniken. Ich hatte eben das Pech in einer letzter Kategorie gelandet zu sein. Aber einige Dinge haben allen KLiniken mehr oder weniger gemeinsam. Und das sind oft Dinge, die ich so kategorisch ablehne, dass eine Aufnahme dort wahrscheinlich gar nicht möglich wäre.

Da wären, z:B:

1. Gewichtsverträge

a) Ein Vertag wird normalerweise zwischen zwei oder mehr Partein geschlossen, in dem gegenseitigen Einvernehmen, ihn einzuhalten zu können. Dieses Einhalten“ wird als Gegenstand berachtet, der dem Willen, dem Können, der Fähigkeiten der beteiligten Personen unterliegt. Wenn aber eine Gewichszunahme deart willentlich beeinflussbar ist, ist ein Klinikaufenthalt u.a. aus diesem Grund eigentlich überflüssig. (Natürlich ist das jetzt etwas pauschal ausgedrückt, es gibt ja noch viele andere gründe, so was zu machen). Nichtsdesto trotz ist es bei einer vorlliegenden Krankheit/Sucht meiner Ansicht nach absolut unangemessen, von Menschen zu verlangen, sich so zu verhalten, als hätten sie sie nicht. Niemand würde von einem Depressiven verlangen, bis dann und dann so und so fröhlich zu sein, sonst gibt’s Zimmerarrest.Ich kann so was nicht ernst nehmen und ich will nur etwas unterschreiben, was ich auch so meine.

b) Hängt mit dem ersten Zusammen. Ist die Botschaft: Du musst deinen Körper so und so kontrollieren, um das und das zu erreichen/bekommen wirklich die, die man sich wünschen sollte?

c) Diskriminierung. Warum nicht auch Leute „bestrafen“, wenn sie nicht min 500g in der Woche abnehmen?! Hm…?!

d) im Falle von einem lebensbedrohlichen Untergewicht finde ich den Vertag: „ab dann Sonde“ etc. auch was die rechtliche Absicherung betrifft, sinnvoll. Da sollte man sich vorher einigen. Aber in meinem Fall trifft das ohnehin nicht zu.

e) Wenn es darum geht, dies und jenes zu versuchen, bin ich gerne bereit, es zu unterschreiben. Aber wer würde mir so was vorlegen?

2.) Dieses ganze System von „Belohnung“ und Bestrafung. Sind Menschen vielleicht Ratten, die sich so einfach Konditionieren lassen? Bloße Konditionierungsprozesse sind nicht die alleinige Ursache für eine Essstörung (obwohl solche Prozesse bestimmt eine Rolle spielen), man wird sie also auch nicht wieder los, durch bloße Un-Konditonierung. Klar, in gewisser Weise ist es sinnvoll, hilfreich etc. , aber der Fokus sollte auf was anderem liegen, denke ich.

3.) Ich denke nicht, dass ich „krank“ genung bin. Andere haben den Aufenthalt mehr verdient als ich. Ich würde mir noch fehl am Platze vorkommen, wie eine Lügnerin, Versagerin sogar auf dem Gebiet der ES.

Ich könnte noch lange so weiter machen….lass ich jetzt aber.

Kennt jemand eine Klinik  in der das alles nicht so ist wie oben beschrieben und in der auch Kassenpatienten genommen werden…?

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10 Antworten to “Klinik & Verträge”

  1. Collagenbastlerin 4. Februar 2010 um 1:09 PM #

    Ich bin mir nicht ganz sicher.. Eine Freundin von mir war in Bad Bramstedt wegen Bulimie. Sie meinte, dort sei es eher entspannt mit Verträgen und soweiter. Und Kassenpatienten nehmen die auch.
    Schau mal hier: http://www.schoen-kliniken.de/ptp/kkh/bbr/

    Und das mit dem „nicht krank genug sein“ redet uns die ES ja nur ein.. Ich glaube das kommt, wenn man erkannt hat das man krank ist, als „Ersatz“ der kompletten Krankheitsverleugnung.

    Liebe Grüße

  2. lucymes 4. Februar 2010 um 1:11 PM #

    Danke für deinen Kommentar und den Linkhinweis.
    ja, ich habe auch schon von anderer Stelle gehört, dass es nicht überall so übel zugeht…bei mir löst der gedanke an klinik immer so eine richtige panik aus…ich kann diese erfahrung von vor zwei jahren schwer abschütteln.
    aber vielleicht ist es einen versuch wert…so wie’s im moment ist kann’s auf jeden fall nicht weiter gehen….

  3. dubius 4. Februar 2010 um 7:05 PM #

    schön guten Abend,
    klar hab ich nichts gegen die Verlinkung.
    hoffe deine derzeitige Therapie bringt große Erfolge.
    sei stark!

    liebe Grüße!

  4. inbetweenme 6. Februar 2010 um 12:14 AM #

    Stimme mit dir in absolut allen Punkten überein. Glücklicherweise hat mir mein Therapeut eine wirklich gute (für mich) Klinik (schicke dir den Namen in ner Mail) empfohlen. Mich hat der Vertrag, den ich unterschreiben musste, nicht unter Druck gesetzt – habe es eher als eine Art Absicherung betrachtet, wie ich es auch schon von meiner ersten Therapeutin her kannte. Außerdem habe ich es eher als eine Art Erinnerung für mich als Patienten gesehen, dass ich mitarbeiten muss – wenn die stationäre Therapie etwas bringen soll.
    Habe eine Diskussion von anderen Patienten dazu mitbekommen, die dies zwar weniger so sahen, allerdings wirkte diejenige, die am extremsten dagegen war auch nicht wirklich… wie schreibe ich das jetzt am besten – „arbeitsbereit“?.. Naja … auf jeden Fall hat mir der Aufenthalt dort sehr gut getan. Sie sind dort jedoch nicht konkret auf meine ES eingegangen – sondern die Behandlung dort war ganzheitlich und hatte bei mir eher einen Fokus auf die Depression und anderes.

    Belohnung und Bestrafung als Mittel gab es in der Klinik nicht. Glücklicherweise – ich bin ein absoluter Gegner davon! Das macht es doch nur noch schlimmer! Das heißt natürlich nicht, dass man Narrenfreiheit hat. Wenn man den Regeln (z.B. kein Alkohol, Drogen, ..) etc. nicht Folge leistete, muss man mit Konsequenzen rechnen. Aber bei allem anderen – wurde dort (zumindest in der offenen Station) eher nach dem Prinzip gehandelt, dass man selbst verantwortlich ist für sein Tun. Letztendlich schade ich mir ja nur selbst, wenn ich mich betrüge. Das könnte allerdings auch eine Schwachstelle der Klinik sein – ich habe keine Ahnung, in wie fern man dort viel erreichen kann, wenn man nicht gegen die hinterhältige Krankheit, welche einem zum Tricksen treibt, ankommt. :/

    Bei deinem 3. Punkt musste ich irgendwie Schmunzeln. Exakt das gleiche habe ich meinem betreuenden Arzt beim Aufnahmegespräch erzählt. „Mir geht’s doch gar nicht so schlecht! Ich nehme ‚ernsthaft‘ erkrankten Menschen den Platz weg! Ich stelle mich nur an!“ Natürlich nur mit Müh‘ und Not nicht unter Tränen. Sehr paradox. Die Argumente von wegen „sichtbarer Leidensdruck“ und anderes (kann mich nicht mehr genau erinnern) haben mich zwar nicht komplett überzeugt – aber letztendlich habe ich mich dann versucht der Kompetenz all jener Ärzte und Therapeuten zu Vertrauen, die mir immer wieder zugesprochen haben, dass es eine gute Chance für mich ist und dass es notwendig ist.

    Im Nachhinein betrachtet weiß ich, sie hatten Recht – und es war so gut, dass ich mich darauf eingelassen habe. Und dann noch das Glück, dass die Klinik so gut zu mir passte, so dass ich mich – zwar erst nach wochenlangem Kampf – am Ende dann aber doch öffnen konnte und vielleicht das erste Mal die wirklichen Ausmaße der Krankheit wahrnehmen konnte, also so wirklich bewusst und nicht nur abstrakt. Und auch sehen konnte, wie sich etwas besserte. Wie ich mehr an die ganzen Gefühle ran kam und dann auch fühlte – hey, da stimmt was nicht .. hmm…

    Oh jeh .. jetzt habe ich hier so viel geschrieben. Und wahrscheinlich noch nicht mal viel gesagt… Mag dir auf jeden Fall Mut machen. Für was auch immer du dich entscheidest. Anders bringt es glaub ich nämlich überhaupt nix …

    • lucymes 7. Februar 2010 um 2:17 PM #

      hey du,

      vielen, vielen lieben dank für deine kommentar! was du geschrieben hast, war nicht nur sehr informativ- es hat mir auch echt mut gemacht! Und ich würde mich sehr freuen, wenn du mir den namen der klinik schickst. im moment bin ich immer wieder auf recherche im internet, aber das ist natürlich kein vergleich zu persönlichen erfahrungen. und ich denke, dass es mir total wichtig ist, so viel wie möglich „selbstverantwortlich“ handeln zu können…viele Bestimmungen und Kontrolle lösen in mir immer nur Reaktanz aus(und ziemlich stur bin ich ohnehin;-) ) bin inzwischen ziemlich verzweifelt, weil ich weiß, dass es so nicht weitergehen kann… und es alleine aber auch nicht auf die reihe bekomme… und immer wieder hin und her gerissen bin.

      es freut mich zu hören, dass dir so gut geholfen werden konnte!
      viele liebe grüße,
      lucymes

      • inbetweenme 7. Februar 2010 um 9:22 PM #

        Kann ich absolut nachempfinden! Ist meine Mail bei dir angekommen? Hatte sie an die Emailadresse geschickt, welche bei deinem Kommentar, den du in meinem Blog hinterlassen hast, angezeigt wurde.

        Es hat mir richtig gut getan, für zwei Monate die Welt Welt sein lassen zu können und an einem Ort zu sein, an dem sich „alles“ um mich drehte und sich darauf konzentrierte, wie es mir besser gehen kann – was ich dafür machen kann. Eine gute und lehrreiche Erfahrung…

        Welchen Weg du auch gehst, ich wünsche dir viel Kraft und alles Gute und dass du, wenn du dich für eine Klinik entscheidest, die für dich findest!! 🙂

  5. lucymes 8. Februar 2010 um 12:38 PM #

    ich bin ganz gerührt von den vielen lieben kommentaren zu diesem thema.
    vielen dank!

  6. lebens-muede 9. Februar 2010 um 9:13 PM #

    hallo…

    nein, gegen die Verlinkung habe ich wirklich nichts. (eine kleine Mitteilung wäre vlt nett gewesen, weil… ach, will doch lieber wissen, wo mein blog verlinkt ist. jetzt aber egal =) )

    habe die ES seit ca. 8 Jahren. Und je länger man da drinn hängt, desto „mutloser“ wird man… Kann mir – so traurig das klingen mag – auch kein Leben ohne all den scheiß vorstellen… dann wär da irgendwie… noch weniger.

    Find’s aber sehr gut, dass du Hilfe suchst, auch mit dieser Gruppe… ist manchmal wirklich sehr gut, wenn da wer ist, der einen wirklich auch versteht… (und meiner meinung nach kann das sowieso kein therapeut)

    Liebe Grüße

    • lucymes 10. Februar 2010 um 11:31 AM #

      oh… normalerweise versuche ich immer, erst mal zu fragen, bevor ich die personen verlinke…das hab ich bei dir wohl leider vergessen…sorry ^^‘ …aber gut, dass du nichts dagegen hast 🙂

      acht jahre sind ja wirklich eine verdammt lange zeit…als es bei mir anfing mit der ES hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich zwei Jahre später immer noch damit zu tun haben werde, und zwar mehr denn je…und habe auch das gefühl, es wird immer schwieriger.

      ich kann dir nur wünschen dass du doch noch einen weg hinaus findest…und trotz allem die hoffnung nicht aufgibst.

      • lebens-muede 10. Februar 2010 um 5:20 PM #

        ja, dass du dir vorher nicht ausmalen konntest, dass es zwei jahre später immer noch so sein wird oder sogar schlimmer… am anfang hatte ich diese gedanken auch noch… allerdings vergingen bei mir allein schon 2-3 jahre, in denen ich das so direkt gar nicht einsehen wollte…. wenn man da ständig vor sich hin hungert und sich einreden, es sei alles in bester ordnung und so… naja. einsicht kam dann auch erst mit den ersten fa’s und spätestens eben nach’m beginn der bulimie… (seitdem ständiger „phasenwechsel“) wollte mir auch schonmal hilfe holen und alles (bzw. auf drängen anderer, habe ich mich dazu überreden lassen) aber irgendwie… konnte ich nicht. die einsicht oder der glaube daran, ohne all das sein leben meistern zu können, war irgendwie nicht groß genug…

        jetzt versuch ich damit irgendwie zu über-leben. mal gelingt mir das ganz gut, dann wieder weniger gut… k.a.
        denke auch irgendwo immer, dass das ganze drum herum sich auch verbessern müsste, damit es mir selbst mal wieder etwas besser gehen könnte… nur passiert das so schnell ganz einfach nicht.

        das du nach 2 jahren dir hilfe suchst, finde ich gut. schieb das nicht so lange vor dir her, denn es wird nur schwieriger, je länger du da drin steckst….

        LG

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